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Sanierung - Ein Erfahrungsbericht

Zahlreiche Marzahner, die in den sogenannten Plattenbauten wohnen, kamen in den letzten Jahren in den Genuss einer Wohnungssanierung. Viele weitere Häuser bekommen demnächst noch eine Komplettrenovierung verpasst, auch wenn aus Finanzgründen das Sanierungstempo wohl etwas nachlassen wird oder aber nur noch das Nötigste getan wird.

Wie sieht so eine Sanierung aus und wie läuft sie ab?
Der Beginn der Sanierungsmaßnahme wird spätestens zwei Monate vor dem Baustart mitgeteilt. Dabei erhält der Mieter eine umfassende Beschreibung der vorzunehmenden Arbeiten. Genau aufgelistet werden die einzelnen Vorgänge und Abläufe, auch eine Schätzung der nach der Modernisierung fälligen Mieterhöhung wird bereits vorgenommen. Meist teilt sich die Sanierung in Instandhaltungsmaßnahmen (die nicht auf die Miete umgelegt werden) und in Modernisierungsarbeiten, die bis zu 11% der Kosten auf die Miete aufgeschlagen werden.

Das Schreiben ist erst einmal ein Schock, für den einen, weil die Miete teilweise erheblich steigt, zum anderen, weil erste Vorstellungen von dem durch die Sanierung entstehenden Chaos in der Wohnung entstehen.

Aus diesem Grund hat der Gesetzgeber auch für die, die entweder die erhöhte Miete nicht tragen wollen oder aber den Sanierungsstress nicht mitmachen wollen (oder beides) auch ein außerordentliches Kündigungsrecht nach Eingang der Sanierungsankündigung eingeräumt. Das heißt, wer die Sanierung nicht will, kann rechtzeitig ausziehen und sich eine neue Bleibe suchen. Ansonsten besteht eine Duldungspflicht für die Maßnahmen (Ausnahmen sind allerdings für kranke oder z.B. schwangere Personen möglich, denen die Maßnahmen nicht zuzumuten sind).

Nachdem die Zeit der Sanierung immer näher rückt und die ersten grauen Haare wachsen, sollte man sich Gedanken über die Durchführung machen. In der Regel handelt es sich um eine Strangsanierung (also der komplette Austausch der Wasserrohre und der Abwasserleitung) und die Neugestaltung der Bäder, der Austausch der Fenster, mitunter Arbeiten an der Heizungsanlage und teilweise auch Außenmaßnahmen, wie Fassadenverkleidung, Austausch der Balkons usw.

Mieter von kleinen Wohnungen sollten sich bereits vor Beginn der Sanierung von dem Gedanken trennen, die meist auf 14 Tage anberaumte Maßnahme in der eigenen Wohnung verbringen zu können. Spätestens am zweiten Tag sind in der Regel auch die hartgesottensten Mieter aus ihren Wohnungen verschwunden. Auch wenn nachts die Toilette provisorisch angeschlossen wird, so gibt es zumindest am Tag nur die Möglichkeit, ein Herzhäuschen (Chemieklo) auf der Straße zu nutzen. Kochmöglichkeiten und Wasserversorgung sind arg eingeschränkt. Das Leben in einer Wohnung, die gerade saniert wird, kann man eigentlich nur als Training für eine Krisensituation oder ein Erdbeben nehmen. Glück hat, wer bei Verwandten oder Bekannten unterkommt, aber wer gezielt beim Vermieter nachfragt, hat auch die Möglichkeit, eine Ersatzwohnung für den Zeitraum gestellt zu bekommen (hartnäckig bleiben - eine Bescheinigung des Arbeitgebers, daß man z.B. im Schichtdienst tätig ist oder ähnliches wirkt meistens). Unverständlich ist, warum die Wohnungsgesellschaft die Ersatzwohnungen nicht von sich aus anbietet (angesichts hunderter leerstehender Wohnungen in Marzahn echt merkwürdig). Natürlich kann man auch eine Mietminderung beantragen.

Dann sollte man sich Gedanken um die Sicherung der Wohnung machen. Die Staubentwicklung ist extrem, und obwohl die Bauleute ihre Laufwege mit Folien auslegen, sollte man eine zusätzliche Eigensicherung vornehmen. Es empfiehlt sich, sämtliche Möbel mit Malerfolie (Baumarkt) abzudecken und mit Klebeband zuzukleben. Auch wenn die Wohnung dann wie ein Chemielabor aussieht (Foto), spart dies doch viel Arbeit nach der Sanierung (Der entstehende Betonstaub dringt wirklich überall hin vor). Ausserdem sollte man Wertgegenstände aus der Wohnung entfernen oder verschliessen. Die Hausratversicherung sollte informiert werden, welche Maßnahmen geplant sind, trotzdem zahlt sie nur für Einbruch. Diebstähle, die während der ganztägig offenstehenden Tür vorgenommen werden, werden nur in besonderen Fällen ersetzt.

Da sich ständig verschiedene Bauarbeiter der unterschiedlichsten Gewerke und Firmen in der Wohnung aufhalten, ist eine Diebstahlsgefahr (auch durch Fremde) nicht auszuschließen. Zu meiner Verwunderung sollen aber bei den bisherigen Sanierungsmaßnahmen solche Vorfälle recht selten gewesen sein.

 
Dann ist es soweit. Der 1. Tag beginnt um 7:00 Uhr. Auf die Minute stürmen die ersten Arbeiter die Wohnung. In meinem speziellen Fall sollten die Stränge saniert und das Bad gefliest und mit neuen Armaturen versehen werden. Innerhalb weniger Stunden und unter ohrenbetäubendem Lärm sowie nebelartiger Staubentwicklung sind die alten Fliesen, ein Wandpaneel und sämtliche Armaturen entfernt (Foto). Die Küchenrückwand wird mittels Presslufthämmern herausgestemmt. Bereits am Mittag ist die gesamte Wohnung von einer weißen Staubschicht überzogen. Gleichzeitig arbeiten bis zu sechs Bauarbeiter in der Wohnung. Am Abend des 1. Tages ist das Bad völlig "nackt" und die Rückwand der Küche ist entfernt. Auf Hindernisse wird keine Rücksicht genommen, bei dieser Gelegenheit wurde dann auch gleich mein Telefonkabel mit zerhackt.



Der 2. Tag beginnt bereits mit dem Einbau der neuen Wasserrohre, Abwasserleitungen (Foto) und der Belüftung. Ein Fliesenleger beginnt mit den Vorarbeiten für das Fliesen des Bades. Ein Team Telekom rückt wegen des gekappten Telefonkabels an, schaut entsetzt und bastelt eine provisorische Leitung.

Am 3. Tag wird die Küchenrückwand schon wieder eingebaut. Das Arbeitstempo ist wirklich extrem... Die Wohnung ist inzwischen von einer milimeterdicken Staubschicht geschmückt. Ich kann gar nicht mehr hinsehen. Die Bauleute gehen 'ran wie Blücher. Selbst kleinste Bohrlöcher werden mit riesigen Boschhämmern in die Wände gestanzt. "Das gipsen wir dann wieder zu."

Am Mittag des 4. Tages befinden sich die ersten Fliesen an den Wänden. Der Fliesenleger zeichnet sich durch schnelle und solide Arbeit aus. Der Lärm ist immer noch ohrenbetäubend. Die Küchenrückwand ist wieder geschlossen und wird tapeziert. Team Telekom rückt noch mal an, verlängert die Schnur des provisorischen Telefonanschlusses (ursprünglich reichte diese nämlich nur bis neben den Herd, und gegen einen Anschluss in der Küche hatte ich beim Bauleiter protestiert).

An dieser Stelle sollte erwähnt werden, daß auch, wenn man zeitweilig ausgezogen ist, man trotzdem immer mal nach dem Rechten und Linken schauen sollte, und man auch Kontakt zum Baubüro halten sollte. So kann man Einfluß auf bestimmte Dinge (Einrichtung des Bades, damit die Waschmaschine nach dem Bau auch noch paßt, etc.) nehmen.



Die Strangsanierung ist am 5. Tag abgeschlossen, Das Bad ist fast fertig gefliest (Foto), es fehlt noch der Fußboden. Nach dem fünften Tag bin auch ich völlig fertig, und ich freue mich auf das Wochenende.

Vom 6. bis 8. Tag geschieht erstaunlicherweise nicht mehr viel in der Wohnung, das Fliesen wird abgeschlossen und die neue Badewanne eingebaut. Die Wohnung ist eiskalt, weil ständig die Tür offensteht.

Der 9. Tag dient dem Endspurt. In affenartigem Tempo werden die Armaturen installiert, die Elektroanschlüsse montiert und die Endarbeiten vorgenommen. Bereits um 13.00 Uhr ist Abnahme. Bei dieser sollte man dabei sein, um gegebenenfalls Mängel anzuzeigen, die am 10. Tag noch behoben werden. Alles in allem sind die Bauarbeiten problemlos verlaufen und auch fristgemäß abgeschlossen.



Meine Wohnung glänzt jetzt durch ein wirklich hervorragendes Bad (Foto), moderne Anschlüsse in der Küche. Was jedoch nach dem Sanierungsabschluss an Reinigungsarbeiten nötig war, will ich lieber nicht schildern. Es war sagenhaft, da der Staub wirklich überall sitzt. Circa drei Tage sollte man für eine intensive Reinigung einplanen.

Zur Information: Bei mir handelte es sich schon um eine "abgespeckte" Version der Sanierung, da der Fensteraustausch separat erfolgt und eine Fassadensanierung nicht vorgesehen ist. Der Umfang der Arbeiten kann also je nach Planung variieren.

Für die, die jetzt möglicherweise Angst vor der Sanierung bekommen haben, möchte ich aber abschließend klarstellen: Die Sache lohnt sich und ist wirklich die zwei Wochen Stress wert! Wenn man sich entsprechend vorbereitet, übersteht man die Sanierung unbeschadet.



Anmerkung zum Schluß: Schäden gab es bei den Arbeiten keine. Nur Team Telekom hat es bis heute nicht fertiggebracht, das Provisorium (Foto) durch einen Anschluss an die alte Telefondose zu ersetzen. Aber man hat versprochen, daß irgendwann noch jemand kommt...

Anmerkung
Dieser Artikel entstand 1998.