Erholungspark Marzahn

Verirren leichtgemacht: Neue Attraktion in den "Gärten der Welt"

Die "Gärten der Welt" im Erholungspark Marzahn sind um einen Irrgarten aus übermannshohen immergrünen Eibenhecken und ein gepflastertes Labyrinth reicher. Der Hecken-Irrgarten folgt in seiner Anlage dem berühmten aus dem 16. Jahrhundert stammenden Vorbild im Garten des britischen Königsschlosses Hampton Court, dieser gilt als einer der ältesten in Europa und blieb über die Jahrhunderte hinweg weitgehend unverändert erhalten, ihn besuchen jährlich über eine Million Touristen. 

 Irrgarten im Erholungspark MarzahnDas Labyrinth ist nachgestaltet dem Fußbodenlabyrinth in der gotischen Kathedrale von Chartres, Frankreich. Zahlreiche Besucher kennen bereits das Projekt "Gärten der Welt", das ihnen bisher Einblicke bot in Beispiele asiatischer und orientalischer Gartenkunst.

Mit dem Ensemble aus Hecken-Irrgarten und Labyrinth wurde nun den Marzahnern und Touristen eine Anlage übergeben, die ihre historischen Wurzeln in der europäischen Gartenkunst hat. Der Bürgermeister von Berlin, Harald Wolf, eröffnete die Anlage am 22. Juni. "Nicht immer führt, wie dieses Labyrinth beweist , der direkte Weg zum Ziel, aber Beharrlichkeit zahlt sich aus", so der Bürgermeister. "Ich freue mich, dass dieser Ort der Besinnung und Erholung sich immer mehr zu einem touristischen Anziehungspunkt entwickelt und nun auch als ‚Ausgewählter Ort 2007' ausgezeichnet wurde."

Ob jemand daran dachte, daß man am 29. September 2005 im "Tagesspiegel" lesen konnte: "Kann es einen schöneren Zufall geben? Da wird im Erholungspark Marzahn ein Irrgarten angelegt und zum Bau ein Schwerlastkran bestellt. Aber der kommt zu spät, weil sich der Kranfahrer auf der Fahrt zum Irrgarten in den Straßen von Marzahn verirrt hat. Folglich begann die gestrige Grundsteinlegung etwas verspätet." Der Kran wurde benötigt, um zwei gewaltige Steinblöcke, gedacht als Tor zum Zentrum des Irrgartens, an ihren Bestimmungsort zu hieven, und ebenso einen Ginkgo-Baum, der ebenfalls in diesem Zentrum steht. Neben dem Gingko-Baum befindet sich ein blauer Aussichtsturm, auf dem es schon mal eng werden kann, denn von seiner Spitze hat der Besucher einen Überblick über den Irrgarten und seine kunstvolle, geometrische Form.

Es sind 1225 immergrüne Eiben, die die Gartenkünstler zu einer 750 Meter langen Hecke zusammenfügten. Die Gehölze müssen regelmäßig beschnitten werden, um die Höhe von zwei Metern zu erhalten. Um in das Zentrum mit großem Ginkgobaum und blauem Aussichtsturm zu gelangen oder auch wieder hinaus, müssen Besucher viel Geduld aufbringen. Vier im "Nichts" endende Sackgassen und zahlreiche Abzweigungen machten am Eröffnungstag auch Wirtschaftssenator Harald Wolf (Linkspartei) und selbst Hausherr Gottfriedsen zu schaffen. Sie verliefen sich mehrmals, bevor sie das Ziel erreichten.

Irrgarten im Erholungspark MarzahnWolf nahm es gelassen: "Das ist wie in der Politik mit ihren Irrungen und Wirrungen." Marzahner Schüler fanden den richtigen Weg schnell. Am Eröffnungstag begrüßte Bezirksbürgermeisterin Dagmar Pohle auch die ehemaligen Bezirksbürgermeister und erinnerte daran, wie der Marzahner Bezirksbürgermeister Gerd Cyske vor zwei Jahrzehnten mit Gummistiefel durch den entstehenden Park stapfte. Sie dankte den Bauherren und Geldgebern, besonders aber den Gärtnerinnen und Gärtnern, die tagein, tagaus den Park grünen und erblühen lassen.

Doch konnte am 22. Juni nicht nur die Eröffnung des sechsten Gartens der Welt gefeiert werden, sondern deutschlandweit auch der "Tag im Land der Ideen". Gerhard Detterer vom Firmenkundengeschäft der Deutschen Bank AG zeichnete die "Gärten der Welt" als "Ausgewählter Ort 2007" aus und überreichte den Ehrenpokal und die Ehrenurkunde. Damit gehören die "Gärten der Welt" offiziell zu den von der Standortinitiative "Deutschland - Land der Ideen" und ihrem Projektpartner Deutsche Bank ausgezeichneten "365 Orten im Land der Ideen". Die Gärten der Welt hatten sich als einer von über 1.500 Orten am Wettbewerb "365 Orte im Land der Ideen" beteiligt, der gemeinsam von der Deutschen Bank und der Standortinitiative "Deutschland - Land der Ideen" durchgeführt wurde. Gerhard Detterer hob in seiner Laudatio besonders den Ideenreichtum der Gärten hervor: "Die Gärten der Welt machen nicht nur unsere Stadt lebenswerter. Sie sind auch ein Symbol für die Offenheit und Toleranz gegenüber anderen Kulturen. Beides sind wichtige Voraussetzungen für eine friedliche und tragfähige Zukunft in einer globalen Welt."

Der Geschäftsführer der Grün Berlin GmbH, die die "Gärten der Welt" betreibt, Hendrik Gottfriedsen, freut sich über die Auszeichnung: "Wir sind sehr stolz, ein ausgewählter Ort im Land der Ideen zu sein. Gärten sind Sinnbilder des Paradieses, des Friedens und der Schönheit. Daher sind sie ideale Orte, um andere Menschen und Kulturen unvoreingenommen kennen zu lernen. Gärten inspirieren uns, regen zu neuen Ideen an und fördern so auch Kunst und Kultur" so Hendrik Gottfriedsen.

Das nächste Projekt in den "Gärten der Welt" ist schon in Angriff genommen. Ein Garten, wie er in der italienischen Renaissance gestaltet wurde, soll bis 2008 in der Nähe des Eingangs Blumberger Damm entstehen. Im "Italienischen Renaissancegarten" werden Wasserspiele und Laubengänge errichtet nach dem Vorbild des intimen "Giardino Secreto", einem privaten Gartenraum, der sich meist an das Wohngebäude anschloß. Geplant ist auch ein deutscher Garten zu Ehren des Gartengestalters und Staudenzüchters Karl Foerster (1874-1970). Die "Gärten der Welt" sind täglich ab 9.00 Uhr bis zum Einbruch der Dunkelheit geöffnet. Der Eintritt kostet inzwischen drei Euro, ermäßigt 1,50 Euro.
Text und Fotos: Reinhard Hoßfeld