Unterirdisch zu Fuß durch Marzahn

Begehbare moderne Infrastrukturkanäle unter dem gesamten Neubaugebiet

Mit dem, was Rom an Katakomben zu bieten hat, kann Marzahn natürlich nicht konkurrieren. Dennoch werden viele Marzahner und ihre Gäste nicht wissen, daß die gesamte stadttechnische Versorgung des Neubaugebietes über begehbare unterirdische Infrastrukturkanäle (Sammelkanäle) realisiert wird.

Ein unterirdisches Sammelkanalbauwerk

Dies ist das Ergebnis einer zukunftsorientierten Tiefbauplanung verantwortlicher Ingenieure der achtziger Jahre.

Die U-Bahn-Schächten ähnlichen Bauwerke erschließen das gesamte Neubaugebiet mit Leitungssystemen der BEWAG-Fernwärme und -Energieversorgung, der Berliner Wasser Betriebe, der Telekom sowie verschiedener kleinerer Dienstleister. Einer der vielen Vorteile der Sammelkanäle ist die Behebung von Störungen an den Versorgungsleitungen und das Nachlegen zusätzlicher Leitungen, ohne daß man Straßen, Höfe und Grünflächen aufgraben muß.

Damit existiert in Marzahn die größte aufgrabefreie bebaute Fläche in Deutschland.

Aber auch in Mitte, Friedrichshain, Lichtenberg und Hohenschönhausen gibt es Sammelkanal-Abschnitte mit einer Gesamtlänge von 15,8 km, über die mehr als 400.000 Einwohner versorgt werden.

Die Marzahner Sammelkanäle wurden 2009 30 Jahre alt. Die Idee für solche Kanäle ist jedoch wesentlich älter. Bereits 1928 wurde im Bereich der heutigen Karl-Marx-Allee/Frankfurter Allee über der U-Bahnlinie 5 Sammelkanäle errichtet.

Einer der R?ume, die zum Dehnen der Leitungen erforderlich sind

 

Weitere Vorteile der Sammelkanäle sind neben dem geringen und aufgrabefreien Aufwand beim Ver- oder Nachlegen von Leitungen (keine Emissionen, Tiefbauarbeiten, Straßenbehinderungen) auch die einfache Erweiterbarkeit für technische Medien, optimale Umgebungsbedingungen der Leitungen und die günstigen Wartungs- und Reparaturmöglichkeiten.

Wartungsteam der SAKA GmbH im Einsatz

Die großzügige Konstruktion der Sammelkanäle bietet genügend Platz, weitere Leitungen und ähnliche technische Anlagen unterzubringen- eine Chance für junge Unternehmen, ohne größeren Tiefbauaufwand, z.B. Kommunikations- und andere Netze anzubieten.

Die Marzahner Firma SAKA (Sammelkanal- und Service GmbH) betreut im Auftrag des Landes Berlin die Kanäle.

Am 15.05.98 konnte sich Linie 7 im Rahmen des Marzahner Denkmaltages bei einer der seltenen öffentlichen Besichtigungen durch die Marzahner Unterwelt bewegen. Der Einstieg erfolgte über ein Sammelkanalbauwerk in der Nähe des Dorfes Alt-Marzahn. Bis zu 10 Meter unter der Erde kann man durch die Schächte laufen. In bestimmten Abständen befinden sich größere unterirdische Räume, die das Ausdehnen der Rohre bei Temperaturschwankungen ermöglichen. Da durch die Sammelkanäle kein Abwasser durchgeführt wird, sind diese überraschend sauber. Von Rattengewimmel und ähnlichen Klischees hinsichtlich von unterirdischen Tunneln kann keine Rede sein.

Der Ausstieg in der Nähe des Dorfes Alt-Marzahn

Technische Auskünfte und Informationsmaterial sind jederzeit bei der SAKA GmbH erhältlich; Begehungen der Sammelkanalanlagen werden aus sicherheitstechnischen Gründen nach vorheriger Anmeldung, nur in beschränkter Form mit einem technisch interessierten Personenkreis durchgeführt. Unser Dank für die Besichtigungsmöglichkeit gilt dem Bezirksmuseum Marzahn und dem Förderverein für Regionalgeschichte sowie der Firma SAKA GmbH.