Lichtblick für das Gut Hellersdorf

Schon seit Jahren dümpeln die denkmalgeschützten Backsteinbauten in dem Teil des Bezirkes vor sich hin, der für den Namen Pate stand. Anfang der 1990er Jahre gab es mehrere Versuche, das Gut Hellersdorf zu beleben, aber es blieb immer bei den Konzeptionen - mehr kam dabei nicht heraus. Gut Hellersdorf

Nun hat sich die Agrarbörse Deutschland Ost dieses Themas angenommen und ein Projekt erarbeitet. Seit über 10 Jahren sitzt die Agrarbörse mit verschiedenen Projekten selbst auf dem Gelände.

"Den großen Investor gab es nicht" meint Projektleiter Karlheinz Riedel und auf den Geldgeber von außen wartet er auch nicht mehr.
Sondern seine Vorstellungen beruhen darauf, dass die vielen Unternehmen, die teilweise schon seit mehr als 20 Jahren auf dem Gut Hellersdorf arbeiten, ihr Schicksal selbst in die Hand nehmen.

                                                                                              An der Stirnseite dieser alten Scheune                                                                                                       könnte eine Gastwirtschaft entstehen.                                                                                                        Die Hülle bleibt erhalten - innen wird alles                                                                                                       modern.

Die Agrarbörse gründete eine Interessengemeinschaft, an der sich alle ansässigen Unternehmen beteiligen können. Verhandlungen mit dem Liegenschaftsfonds und dem Bezirk wurden aufgenommen. Nun ist das Projekt soweit, dass es erstmals während des Wirtschaftspartnertages in der Öffentlichkeit vorgestellt werden kann. Ab Mitte September werden dann die Ideen in einer Ausstellung im alten Gutshaus gezeigt. "Die ersten Reaktionen waren positiv", berichtet Riedel. Problem waren immer der Denkmalschutz und eventuell vorhandene Altlasten aus der Zeit, als hier noch die LPG saß.

Projektleiter Karlheinz Riedel

"Eine richtige öffentliche Erschließung des Gutes gibt es nicht, kein Mensch weiß, wo Strom, Wasser- und Abwasserleitungen liegen" beklagt Karlheinz Riedel den Zustand. Seit zwei Jahren versucht die Agrarbörse, Fördermittel zu erschließen, den Sanierungsbedarf zu erkunden, Vorstellungen der vielen kleinen Firmen unter einen Hut zu bekommen. Bis jetzt hatten die Unternehmen nur kurzfristige Mietverträge - die längsten liefen über drei Jahre. Wenn die Zukunft am Standort nicht gesichert ist, hat natürlich kein Unternehmer Interesse, sich zu engagieren, meint Riedel.

Die Agrarbörse hat den Entwurf eines Bebauungsplanes entwickelt. "Darüber wird es noch viele Diskussionen geben", schätzt Riedel ein, aber der Anfang ist gemacht! Grundgedanke ist die Erschließung des Hellersdorfer Gutes.

Von allen Seiten sollen Straßen und Wege hineinführen. Damit wird gleichzeitig die einzige Zufahrt über die Straße Alt Hellersdorf entlastet. Diese Konzeption wurde schon mit einigen Firmen besprochen, die sich finanziell oder mit Bauleistungen beteiligen wollen. Auch dieser Prozess ist noch nicht abgeschlossen.

Riedel rechnet damit, dass sich weitere Interessenten beteiligen werden, wenn sie sehen, dass sich etwas bewegt. Immerhin sitzen 60 Firmen auf dem Gelände, die meisten aus dem produzierenden Gewerbe oder Dienstleister. 15 Firmen haben schon reges Interesse an den Plänen der Agrarbörse bekundet. Damit ist für Riedel ein Anfang gemacht, auf dem man aufbauen kann.

"Wir gehen davon aus, dass die Firmen auch auf dem Gut bleiben wollen", meint Riedel. Er ist aber für neue Ideen offen, so fehlen noch Interessenten aus dem Bereich Kunst und Kultur. Aber auch dort gibt es einen Anfang - in die alte Scheune will eine Gaststätte einziehen.

"Seit 1999 engagieren wir uns als Agrarbörse, so langsam kommen wir Stück für Stück voran", erklärt Riedel. Die nicht mehr fertiggestellte Straße zur Kastanienallee soll geöffnet werden, vom Gutshaus wird ein Verbindungsweg durch die Kleingartenanlage zur Neuruppiner Straße geplant. Auch in Richtung Cottbusser Platz soll das Gelände ge?ffnet werden. Konkrete Gespräche mit den Kleingärtner und ihrem Verband sind noch im September und Oktober vorgesehen.

"Es gab auch schon die Idee, hier eine Kulturscheune zu entwickeln" erläutert Riedel. Er hat noch viele Ideen, so sind sechs der 20 Gebäude denkmalgeschützt. Aber auch andere Häuser sind es wert, erhalten zu bleiben. Riedel verweist auf alte Bautechniken, die man deutlich an Dachverstrebungen sehen kann oder auf ein Haus ganz aus Lehm.

Auch die alte Schmiede ist noch vorhanden. So möchte Riedel hier auch junge Menschen in alten Handwerksberufen ausbilden, die heute nicht mehr zur "normalen" Ausbildung dazugehören. Der Anfang wurde jedenfalls schon gemacht. In den vergangenen Wochen haben Mitarbeiter der Agrarbörse Schutt beseitigt und den Blick auf die alten Gebäude freigelegt.

Klaus Teßmann ist Journalist und Inhaber der PR Agentur Wortsalat und arbeitet aktiv im Förderverein Gutshaus Mahlsdorf e.V. (auch bekannt als "Gründerzeitmuseum"). Er schreibt regelmäßig für verschiedene namhafte Zeitungen der Region.