Veränderungen am "Marzahner Tor"

Protokoll einer Entwicklung

Seit 1981 wohnen wir in der Franz-Stenzer-Straße. Unser Gegenüber waren das Kaufhaus, ein Dienstleistungsgebäude, die Berliner Bank und das Postamt. Einige Zeit gab es da auch den Markt, der uns aber nicht gerade begeisterte. Und das gesamte Ensemble nannte sich "Marzahner Tor", wenn dies auch im Sprachgebrauch nicht zum Ausdruck kam.

 

Marzahner Tor

Es ging doch niemand zum Marzahner Tor. Man ging zu Drospa oder zur Post, zur Bank oder zum Kaufhof und natürlich auch zu Fielmann.Sie merken schon, wir sitzen bei der Betrachtung des Geschehens am Marzahner Tor sozusagen in der 1. Reihe. Im Jahr 1981 konnte man über eine freie Fläche zur Fußgängerbrücke blicken. Als wir einzogen, gab es schon den Zugang über die Brücke und vor allem den S-Bahnhof. Morgens konnte man bequem einen Sitzplatz bekommen. Blick von der Franz-Stenzer-Straße zur Fußgängerbrücke zum S-Bhf. Marzahn.

 Blick von der Franz-Stenzer-Straße zur

Fußgängerbrücke zum S-Bhf. Marzahn

 

 Das änderte sich aber bald, denn die S-Bahntrasse wurde zeitgleich mit dem Bau der Wohnhäuser bis Ahrensfelde verlängert. Diese Verkehrsanbindung war für die Bauarbeiter und für die neuen Bewohner Marzahns sehr günstig. Auch für die Ahrensfelder ergaben sich mit der Direktverbindung bis zur Stadtmitte wesentliche Vorteile. 

 

Marzahner Tor

 

Unser Gegenüber änderte sich schnell. Die Deutsche Post projektierte ein modernes Postamt und baute es zwischen Franz-Stenzer-Straße und Fußgängerbrücke.

 

 

 

 Hier entsteht das Hauptpostamt Marzahn

Marzahner Tor

 

Es wurde ein schmuckes Postamt mit einem absolut neuartigen Outfit. Beachtenswert war die geräumige Schalterhalle in Gestalt eines Lichthofes. Runde 20 Jahre waren wir Nachbarn, die Post und wir Einwohner der Franz-Stenzer-Straße.

 

 

 Postamt Marzahn, September 2003

 

So schauten auch viele traurig drein, als dann wegen der Baufreiheit für das EASTGATE-Center die Bauten am Marzahner Tor abgerissen werden mussten. Viele Marzahner und Nichtmarzahner fanden sich als Schaulustige ein, fotografierten, bestaunten die leistungsfähigen Baumaschinen und erinnerten sich an die Zeit des Aufbaus und die Jahre danach. Und es kamen auch solche, die selber als Baumaschinist, Architekt oder Betonbauer am Bau des Postamtes beteiligt waren.

 

Marzahner TorHallo EASTGATE, du musst dich anstrengen, um die Zuneigung der Marzahner zu gewinnen. Aber da bin ich eigentlich ganz sicher, denn wir haben schließlich 13 Jahre darauf gewartet, dass ein Investor kommt und unser Wohngebiet aufwertet.
Und so verfolgen wir nun mit großem Interesse vom Balkon aus das Baugeschehen. Da gibt es Anwohner, die täglich ihren Rundgang um die Baustelle machen, damit ihnen auch ja nichts entgeht.

  Machen wir uns nichts vor, man hatte das Gefühl ein Stückchen Heimat zu verlieren.

Marzahner Tor

 

 Inzwischen drehen sich schon 3 Baukräne. Und wie das Bild zeigt, können wir in die große Baugrube sehen, in die schon manche Tonne Beton gegossen wurde.

 

 

 

 

 

Mit dem Fortschritt des Baus wird die Fußgängerbrücke aus unserem Blickfeld verschwinden. Und das Marzahner Tor erhält wieder und hoffentlich diesmal für lange Zeit ein neues Aussehen.