Volles "Haus der einsamen Freude"

Koreanischer "Seouler Garten" im Erholungspark Marzahn eröffnet

Koreanischer Garten

Korea in Berlin erleben
Am Freitag, dem 31. März 2006, eröffnete Berlins Bürgermeisterin und Senatorin für Justiz, Karin Schubert mit dem Koreanischen "Seouler Garten" die fünfte Anlage der "Gärten der Welt" im Erholungspark Marzahn. In ihrer Rede betonte sie: "Ein Seouler Garten in der deutschen Hauptstadt - das ist ein Zeichen der Freundschaft zwischen Berlin und der Republik Korea. Korea in Berlin erleben - Korea sehen, riechen, spüren - das können wir von heute an auch hier in Berlin-Marzahn. Dieser Garten symbolisiert die enge Zusammenarbeit beider Städte." Bei der Eröffnung dabei waren auch Dr. Uwe Klett, Bezirksbürgermeister von Berlin-Marzahn, Hendrik Gottfriedsen, Geschäftsführer der Grün Berlin GmbH, sowie Soo-Hyuck Lee, Botschafter der Republik Korea, und Yong-Ho Choi, Generaldirektor für Park- und Forstplanung der Stadt Seoul. Der fernöstlich-exotische Garten ist ein großzügiges Geschenk der südkoreanischen Hauptstadt an Berlin. An den ersten beiden Apriltagen erlebte der Koreanische Garten den ersten Besucheransturm.

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Das Haus des Gelehrten als Vorbild
Vorbild des neueröffneten Koreanischen "Seouler Gartens" ist das "Haus der einsamen Freude", das im Jahre 1516 für den Gelehrten Lee Eon-jeok (1491-1553) gebaut wurde. Das Original in Gyeongju, Provinz Nord Gyeongsang, ist heute ein nationales Denkmal. Lee Eon-jeok hatte sich aus dem politischen Leben zurückgezogen und sich fortan den Lehren des chinesischen Philosophen Kung Fu-Dse (latinisiert zu Konfuzius) gewidmet. Das europäische Vorbild des Berliner Koreanischen Gartens ist der "Jardin de Seoul" in Paris, der am 25. März 2002 eröffnet wurde. Der "Seouler Garten" in Berlin war nach Presseberichten von Oktober 2005 (als in Seoul schon offiziell von der Eröffnung des Gartens in Berlin berichtet wurde), die vierte derartige Anlage außerhalb Koreas; 1973 erhielten die türkische Hauptstadt Ankara und 1998 die ägyptische Hauptstadt Kairo einen "Seouler Garten". Inzwischen wurde am 13. Dezember 2005 in Frankfurt am Main ein Koreanischer Garten eröffnet, der als Gastgeschenk zur Buchmesse geplant war.

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Originales Material aus Korea, Pflanzen und Granit aus Brandenburg
Gestaltet wurde der "Seouler Garten" auf einem eigens dafür geschaffenem Gelände. Hier wurde Erde aufgeschüttet, Felsstein herantransportiert und geformt. Koreanische Gartenarchitekten aus Seoul planten den Garten, koreanische Handwerker errichteten ihn im Jahre 2005 in Zusammenarbeit mit der Grün Berlin Park und Garten GmbH im Erholungspark Marzahn. Für die Gestaltung des Gartens wurden vorwiegend originale Bauelemente aus Korea herbeigeschafft, Pflanzen und die Findlinge aus Granit stammen aus dem Land Brandenburg.

Koreanischer Garten Koreanischer Garten

Höfe, Pavillon, Flußlandschaft
Mauern und pagodenähnliche Tore gliedern den Garten in drei Raumelemente: Höfe, einen Pavillon und eine Flußlandschaft. Auf der bergigen Anlage, die rund 4000 Quadratmeter groß ist, befinden sich vier Höfe, die jeweils von einer Mauer umgeben sind: der Außenhof, der Hof der Feierlichkeit, der Innenhof und der Hof am Pavillon. Die Tore verbinden die Höfe untereinander und mit der Außenwelt. Die Flußlandschaft bildet symbolhaft eine koreanische Landschaft, die Wald, Wasser und Steine harmonisch in sich vereint. Der Pavillon am Fluß stellt einen Ort der Kommunikation dar zwischen Menschen und Natur.
 

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Ort der Kultur, des Philosophierens und des Genießens
Der Koreanische "Seouler Garten" soll, ganz im Sinne des "Hauses der einsamen Freude", ein Ort der Kultur sein, ein Ort, an dem man philosophieren kann oder einfach nur genießen, ein Ort, an dem Asiaten und Europäer - und jeder andere auch, der diesen Ort betritt - sich an der sie umgebenden Natur erfreuen können. Zugleich wird der Koreanische Garten in Berlin-Marzahn für die Besucher auch zu einem Ort des Nachdenkens über das Verhältnis unterschiedlicher Kulturen zueinander, des interkulturellen Dialogs miteinander, des interkulturellen Lernens mit- und voneinander.

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Nachdenken über das Verhältnis der Menschen zur Natur
Der "Seouler Garten" zeigt einen kleinen Ausschnitt aus der fernöstlichen koreanischen Kultur, die geprägt wurde von Buddhismus, Schamanenglauben und Konfuzianismus. Der naturreligiöse Schamanenglaube soll in der Naturnähe der Anlage erkennbar sein. In der klaren räumlichen Gliederung des Koreanischen Gartens zeigt sich der Einfluß der Lehren des Konfuzius. Die fließenden Übergänge zwischen Wohnkomplexen und Natur, ebenso die geschwungenen Wege sollen von der Lebensauffassung des Buddhismus künden. Gedacht ist der "Seouler Garten" als ein Ort, der dazu anregt, darüber nachzudenken, wie sich die Menschen gegenüber der Natur verhalten (sollen). An diesem Ort sollen die Menschen Betrachtungen über die Natur anstellen und über ihre eigene Selbstverwirklichung in dieser. Der Garten soll auch symbolisch die Verbindung zwischen künstlerischer und literarischer Schöpfung zum Ausdruck bringen.

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Der Pavillon am Ufer des Flusses
Kye Zeong, der Pavillon am Wasser, wird in Korea in einer besonders schönen Landschaft errichtet oder an einem Ort, von dem aus sich dem Betrachter eine besonders schöne Landschaft offenbart. Der Pavillon kann dazu dienen, sich mit Freunden zu treffen. Er kann ein Ort zum Meditieren sein oder eine Gelegenheit zur Selbstverwirklichung bieten. Kye Zeong bezeichnet einen Pavillon, der am Wasser und auf Felsen gebaut wurde. Der Standort des Pavillons paßt sich an die Landschaft an und wird vom Charakter der Umgebung bestimmt. Der Pavillon bildet den Mittelpunkt des Gartens und erhebt sich auf einer Anhöhe über einem künstlich angelegten klaren Bach, der symbolisch für einen Fluß steht und an dessen Ufern riesige Gesteinsbrocken lagern.

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"Versicherung" gegen Feuer, Hochwasser, Epidemie
Buk Su werden die Totempfähle aus Stein genannt, kleine Steinfiguren, die im Eingangsbereich eines Gebäudes oder auf der Straße stehen. Sie weisen auf wichtige Straßen oder Gebäude hin. Je nach Form und Beschriftung haben diese Steinfiguren verschiedene Bedeutung. Im Allgemeinen soll "Buk Su" gegen Feuer, Hochwasser oder eine Epidemie schützen.

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Schutzgeister gegen böse Geister
Zang Sun heißen die Holzfiguren, die oft am Eingang eines Dorfes stehen und dessen Grenze markieren. Diese Totempfähle stellen Schutzgeister dar, die verhindern sollen, daß böse Geister in das Dorf eindringen. Diese geschnitzten Schutzgeister auf langen Holzpfählen "sorgen" auch dafür, daß dem Berliner Koreanischen Garten kein von böswilligen Geistern verursachtes Unheil droht. Die Zang Sun werden stets als Paar aufgestellt, als eine männliche Figur und eine weibliche Figur. Nur als Paar, so glauben die Dorfbewohner, kann Zang Sun stark genug sein, um das Dorf vor bösen Geistern zu schützen. Deshalb ist die Zahl der das Dorf "bewachenden" Schutzgeister immer eine gerade.

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Geistermast für Gesundheit und sorgloses Leben
Sot Dä nennen die Koreaner den Geistermast, auf dessen Spitze oft eine Vogelfigur aus Stein, Metall oder Holz steht. In der Vorstellungswelt der Schamanen existieren die diesseitige Welt und die Welt der Geister parallel nebeneinander auf der Erde. Vor den Sot Dä wünscht man sich Gesundheit und ein sorgloses Leben und hofft, die Geister mögen diese Wünsche zum Himmel mitnehmen.

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Gesang, Tanz und Trommelklang
Den zahlreichen Besuchern bot sich am Sonnabend und Sonntag nicht nur ein weiteres Beispiel fernöstlicher Gartenarchitektur, sondern auch ein kleiner Einblick in koreanische Folklore, dargeboten vom Meari-Chor, bestehend aus koreanischen Krankenschwestern, der Kaya-Tanzgruppe und der Samulnori-Gruppe, die mit Trommelklang und Gongs das Kulturprogramm eröffnete.

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Auch "China", "Japan", "Bali" und der "Orient" erwarten wieder ihre Besucher
Neben dem neu errichteten koreanischen "Seouler Garten" werden sich in diesem Jahr auch die vier bereits bestehenden Anlagen asiatischer Gartenbaukunst als Besuchermagneten erweisen: der chinesische "Garten des wiedergewonnenen Mondes", der japanische "Garten des zusammenfließenden Wassers", der balinesische "Garten der drei Harmonien" sowie der islamisch geprägte orientalische "Garten der vier Ströme".

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Hecken-Irrgarten, Labyrinth, Renaissance-Garten, Staudengarten entstehen
Im kommenden Jahr (2007) will Die Grün Berlin Park und Gärten GmbH weitere "Gärten der Welt" fertigstellen: einen Hecken-Irrgarten und ein Labyrinth sowie einen "Italienischen Renaissancegarten". Besucher des Erholungsparks konnten sich schon davon überzeugen, daß die Arbeiten am Hecken-Irrgarten bereits begonnen haben. Vorbild für diesen Irrgarten sind der Hecken-Irrgarten des königlichen Palastes von Hampton Court in England, der jährlich eine Million Besucher anlockt, und das Labyrinth der gotischen Kathedrale von Chartres in Frankreich. Ein Garten, wie er in der italienischen Renaissance gestaltet wurde, soll bis zum Oktober 2006 in der Nähe des Eingangs Blumberger Damm entstehen. Im "Italienischen Renaissancegarten" werden Wasserspiele und Laubengänge errichtet nach dem Vorbild des intimen "Giardino Secreto", einem privaten Gartenraum, der sich meist an das Wohngebäude anschloß. Geplant ist auch ein deutscher Garten zu Ehren des Gartengestalters und Staudenzüchters Karl Foerster, der 1874 in Berlin geboren wurde und 1970 bei Potsdam starb.

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Öffnungszeiten und Führungen
Der Erholungspark Marzahn ist täglich ab 9 Uhr bis zum Einbruch der Dunkelheit geöffnet (der Orientalische Garten hat ab 14. April wieder geöffnet). In den "Gärten der Welt" finden in der Regel montags bis freitags an den Vormittagen Führungen statt. Führungen durch den "Seouler Garten" gibt es mittwochs, donnerstags und freitags um 10, 10.40 und 11.20 Uhr; Sonderführungen können unter Tel. 0152 02 86 59 81 erfragt werden. Der Eintritt in den Erholungspark Marzahn kostet zwei, ermäßigt ein Euro; die Teilnahme an einer Führung kostet zusätzlich drei Euro, ermäßigt 1,50 Euro. Weitere Einzelheiten zu Öffnungszeiten und Führungen siehe http://www.gruen-berlin.de/marz/fuehrungen.php.

Für den Text benutzte Quellen
Koreanischer Garten im Erholungspark Berlin-Marzahn
Die Grün Berlin Park und Gärten GmbH
Ingo Rössling: Kleinod aus Korea bereichert die Gärten der Welt. Die Welt vom 29. März 2006
Steffi Bey: Korea sehen, riechen, spüren. Exotische Naturlandschaft wird im neuen "Seouler Garten" im Erholungspark Marzahn erlebbar. Neues Deutschland, 1./2. April 2006
Birgitt Eltzel: Geister, Findlinge und ein klarer Bach. Die koreanische Hauptstadt Seoul schenkt Berlin einen 4000 Quadratmeter großen Garten. Berliner Zeitung, 1./2. April 2006
http://www.berlin.de/rbmskzl/rathausaktuell/archiv/2006/03/31/37680/index.html
http://assoc.wanadoo.fr/france-coree/culture/jardin_seoul.htm