Musterschule Marzahn

Zur Geschichte der alten Dorfschule

Die alte Dorfschule

Die Dorfschule auf dem Anger von Marzahn hat eine lange Geschichte. Der jetzige Bau, 1913 errichtet, hat seit 1977 keine Schüler mehr gesehen. Mit dem Entstehen der Großsiedlung zogen sie in die neue Schule in der Cecilienstraße.

Doch rund 300 Jahre wurde auf dem Anger für die Dorfkinder Schule gehalten. Der älteste Hinweis ist im Geburtenregister der Marzahner Kirche enthalten. Dort wird für den Schulmeister Henrich am 20.Dezember 1692 die Geburt eines Sohnes angezeigt.

 

1717 verfügte der König Friedrich Wilhelm I., daß in Preußen die Kinder im Winter täglich, im Sommer zwei-dreimal die Schule zu besuchen haben. Generös bewilligte er auf Ersuchen der Bewohner Marzahns mit Schreiben vom 27.Januar 1718 den Bau eines Schulhauses und lässt das nötige Bauholz zur Verfügung stellen.

Fast lückenlos sind die Namen der Lehrkräfte bekannt, die seither bis 1933 an der Schule unterrichten. Bekannt ist auch die Schülerfrequenz aus den Jahren 1877-1921. Sie schwankte zwischen 79 und 105 Schülern, durchschnittlich waren es 93 Schüler pro Schuljahr.

Zeitweilig, von 1771-1813, hatte das Dorf zwei Schulen. Den Pfälzer Kolonisten gestand der König eine eigene Schule zu. Glaubensunterschiede zwischen den Reformierten und Lutherischen waren der Grund, denn Religion war das Hauptfach des Unterrichtes. Doch die hohen Kosten und die allmähliche Angleichung der Glaubensgrundsätze führten zur Zusammenlegung beider Schulen.

Zwischen 1855 und 1873 wurden die Schüler von zwei Lehrern unterrichtet. Ab 1873 bis 1913 stand für die fast 100 Schüler nur noch ein Lehrer zur Verfügung. Es ist kaum zu glauben, unter diesen Umständen machte der Lehrer Rudolf Filter, er wirkte als Lehrer in Marzahn von 1873-1891, die Dorfschule zur Musterschule unter ihresgleichen, natürlich nach den Maßstäben jener Zeit. Er unterrichtet die Kinder bis 1884 in einer einklassigen Schule. Dann wurde ihm auf Ersuchen gestattet, zwei Klassen einzurichten, die er zu getrennten Zeiten in dem einem Schulzimmer unterrichtete. Halbtagsschule wurde diese Unterrichtsform mit verminderter Stundenzahl genannt. Seine Nachfolger im Amt haben dieses Ausbildungsniveau nicht halten können.

Lehrer Thormann, von 1891-1902 Lehrer in Marzahn, wurde schließlich zwangsversetzt, weil er allein mit fast 100 Schülern aller Altersgruppen nicht fertig wurde. So stellt der Inspektor 1899 fest: "Die Schule in Marzahn bietet in ihrem inneren Betriebe ein Bild trostlosen Verfalls infolge der Tr?gheit des Lehrers...".

Von seiner Abberufung mußten noch elf Jahre vergehen, bevor ein zweiter Lehrer berufen und die Schüler in drei Klassen der neu gebauten Schule unterrichtet werden konnten. Ab 1909 hatte Wilhelm Wichmann das Lehreramt inne, daß er bis 1933 betrieb. An seiner Seite arbeitete ab 1917 Rudolf Feuerstake auf der zweiten Lehrerstelle und wurde später der Direktor der Schule.

Es wäre wünschenswert, wenn Zeitzeugen das Wissen um die Wirksamkeit dieser und der folgenden Lehrkräfte bis zur Schließung der Schule erweitern könnten.

Der Förderverein für das Bezirksmuseum hat eine Publikation zur Geschichte der Dorfschule Marzahn erarbeitet.

Die alte Dorfschule beherbergt seit dem 11.09.1999 das Bezirksmuseum Marzahn.