1945 Kriegsende

in Marzahn

Beim Ein- und Durchmarsch in Marzahn von tausenden sowjetischen Fahrzeugen, Panjewagen, Panzer und Artillerie nach dem 21. April 1945 Richtung Zentrum Berlin gab es nur noch wenigen spürbaren Widerstand von der Wehrmacht im Ort.

So war von einer vereinzelten verirrten Granate auf der Marzahner Chaussee eine deutsche Frau, die anscheinend auf der Flucht war, tödlich getroffen worden.

Die sowjetischen Truppen hatten sich von einer einzelnen Leiche bei ihrem Vormarsch zum bevorstehenden Endsieg nicht aufhalten lassen. Die Leiche wurde immer mehr zerfahren. Das war für uns Kinder kein schöner Anblick.

Auf dem städtischen Friedhof am Bahnhof Marzahn wurden anfangs noch die Bombenopfer in "Ehren" beerdigt. D. h.: Es wurden Erdlöcher ausgehoben und, wenn Angehörige aufzufinden waren, konnten diese dabei sein, um die letzte Ehrung zu erweisen.

Die Anzahl der Toten wurde immer höher. In den letzten Wochen vor Kriegsende fanden so gut wie gar keine Beerdigungen  statt. Die Leichen wurden, so wie diese aufgefunden wurden, angebracht, ausgeladen und in der Trauerhalle abgelegt.

Es gehörte für uns Jugendliche zur Mutprobe, nachts in diese Halle einzudringen und uns das Schauerliche anzusehen.

Leichen, die von Phosphorbomben entstellte Gliedmaße hattten,  von Bomben zerfetzte Leiber. Lange hatten wir diese schrecklichen Bilder in Erinnerung. -

Der Kampf um Berlin zog sich noch sehr lange hin. Der Frühling 1945 war eigentlich sehr schön. Für uns war der Krieg in Marzahn beendet.

Morgens ging die Sonne strahlend auf. Aber ab der Mittagszeit verdunkelte sich der Himmel.  Berlin brannte. Rauchschwaden zogen über unsere Gegend, da viel Westwind herrschte.

Ganze Bündel von papierne Akten, sogar angesengte Bücher, flogen von der Thermik hochgesogen und emporgeschleudert, bis zu uns.

Den 8. Mai 1945 verbrachten wir auf der Terrasse des Elternhauses.

Durften wir Kinder während der Luftangriffe draussen wegen der Splittergefahr nicht dabei sein, konnten wir die Freude der siegreichen Roten Armee miterleben.

Der Himmel war voll von explodierenden Feuerwerkskörper, Leuchtspurgarben und  Scheinwerferstrahlenbündel.

Ein neues, besseres und friedliches Zeitalter stand vor uns, dachten wir vielfach

Autor: Fritz Neuendorf

Fritz Neuendorf, Jahrgang 1934 ist der Sohn des ersten Marzahner Schuldirektors nach dem Krieg