Karbid

und Feuerwerk

Man soll nicht nur über die heutige Jugend schimpfen. Allerhand Blödsinn hatten wir auch gemacht.

Es gab damals noch Karbid offiziell aus Drogerien zu kaufen. In entsprechenden Beleuchtungsvorrichtungen, auch für Fahrräder, wurde die Chemikalie mit Wasser vermengt. Die entstehende Gase waren brennbar und wurden entzündet und gaben eine gewisse Helligkeit ab.

Diesen Effekt nutzten wir aus. In kleinen mit Schraubverschluss versehenden Flaschen wurde Karbid und Wasser eingefüllt, verschraubt, die dann explodierten oder auch nicht. Eine wollte nicht detonieren.

Mit falschen Mut ging Freund Ali St. auf die weg geschleuderte Flasche zu, schüttelte diese vor unseren Augen. Sie ging doch los. Ein Glassplitter traf  ein Auge. Die Pupille lief aus, so dass eine 80%  Sehbeeinflussung  eintrat, die bis heute anhält, da er noch lebt.

Das reichte nicht. Aus einem 20 bändigen Meyers Lexikon von 1908 meines Vater holten wir uns die chemischen Formeln zur Herstellung von Feuerwerkskörpern.

Entsprechende einzelne Mengen versuchte wir bei der Drogerie von Herrn R.  zu erwerben. Jeder etwas anderes der Rezeptur. Zuerst klappte es. Herr R. merkte zunächst nichts. Dann  aber schmiss er uns aus dem Laden.

Unsere Versuche für Antriebe von Raketen mussten wir einstellen.

Autor: Fritz Neuendorf

Fritz Neuendorf, Jahrgang 1934 ist der Sohn des ersten Marzahner Schuldirektors nach dem Krieg