Ostern 1950

Schulausflug mit der FDJ

 

Es muss zu Ostern 1950 gewesen sein. Die gerade gegründete FDJ- Gruppe an der Oberschule wollte über die Feiertage einen Ausflug starten. Mit dem Zug ging es von Berlin bis Fürstenwalde. Zu Fuß ging es dann 12,5 Km Richtung Bad Saarow/ Pieskow zu einer Jugendherberge. Der Zug, damals noch Privatbahn, Richtung Beeskow fuhr nicht.

Die ehemalige Villa  des Postministers aus dem 3. Reich war beschlagnahmt und als Unterkunft für jugendliche Gruppen vorgesehen worden.

Das Gymnasium, über Jahrhunderte nur für Knaben zur Erziehung vorgesehen, musste im Rahmen der Schulreform der DDR seit 1949 sogenannte Aufbauklassen einrichten. Also auch Mädels waren nun im Schulgebäude.

Der Schlafraum war im Dachboden, für Jungs und Mädels nicht getrennt. Auf Matratzen, die auf dem Boden lagen, schliefen wir in bunter Reihe, ohne falsche Hintergedanken. Wir waren ja eine neue, bessere Jugend. Grundgedanke, wir machen alles besser. Verpönt war zum Beispiel, mit Schlips ins Theater zu gehen.

Mit Wanderungen in die schönen Wälder ringsherum verbrachten wir die Tage.

Im ehemaligen Wohnbereich der Villa  war der Speiseraum eingerichtet. An einer langen Tafel saßen wir zusammen. Es gab Lebensmittel noch auf Karten. Die mitgebrachten Naturalien aus Berlin wurden auf den Tisch gelegt. Wir waren doch eine Kommune, als alle gleich und besser.

Jeder konnte nun individuell zugreifen, davon essen, was er wollte. Schon beim ersten gemeinsamen  Essen waren die auf dem Tisch  platzierten Speisen  aufgegessen, da jeder zugriff, um nicht zu kurz zu kommen.

Mein Freund Gert Z. hatte eine große Milchkanne mit selbst gemachten Apfelmus mitgehabt.

Wir ernährten uns in den letzten Tagen des Aufenthaltes von Schwarzbrot, das es wohl schon ohne Marken zu kaufen gab, und Apfelmus. -

Jugendfreundin Rita W., die schon sich schon recht gut auf russisch verständigen konnte, hatte einen jungen Angehörigen der Roten Armee kennen gelernt. Eine Einheit waren kaserniert im nahe gelegenen Schloss untergebracht. Rita hatte sich mit dem Soldaten für den Nachmittags verabredet und bat mich, sie vorsichtshalber zu begleiten.

Der junge Bursche kuckte traurig, als er sah, dass Rita nicht alleine war. Im Laufe des Gespräches versuchte er, dass Mädchen anzufassen und zu umarmen.

Ich war  mit 15 Jahren schon recht stämmig. Ich umarmte zum Schutz das Mädel so, dass ich den "Nebenbuhler" abdrängte,  Es ging etwas hin und her. Er gab auf mit der Bemerkung zu mir, "Du Artist". Die Völkerfreundschaft war gerettet. -

Autor: Fritz Neuendorf

Fritz Neuendorf, Jahrgang 1934 ist der Sohn des ersten Marzahner Schuldirektors nach dem Krieg