Von der Dorfschule zum Heimatmuseum

7 teilige Dokumentation Heimatgeschichtliche Blätter des Fördervereins für Regionalgeschichte e.V.

Teil 1
Inhalt

1. Vorwort
2. Neue Räume - neue Möglichkeiten
3. Der Umbau vor dem Umzug
Was wissen wir von der alten Dorfschule? Ein Überblick
Zur Entwicklung der Schulbauten im Dorf Marzahn
Zur Person des Lehrers Rudolf Filter
Was uns die Schulinspektionsberichte erzählen
Vom schweren Anfang nach dem Krieg
Übersicht: Entwicklung der Schülerzahlen von 1892/1902
Übersicht: Lehrkräfte der Dorfschule

    Grundrißschema der Dorfschule (zuk.Heimatmuseum Marzahn)

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    Vorwort

    Dr. Günter Peters, Vorsitzender des Fördervereins für das Heimatmuseum Marzahn e.V.

    Das vorliegende Heft unserer "Heimatgeschichtlichen Blätter" ist aus einem für uns alle erfreulichen Anlaß entstanden: Mit dem Beginn des Umbaus der ehemaligen Dorfschule in Alt-Marzahn ist der Umzug des Heimatmuseums in sein neues Domizil in greifbare Nähe gerückt.

    Nachdem das Bezirksamt auf Empfehlung der BVV einen entsprechenden Beschluss gefaßt hatte, konnte dank der aktiven Unterstützung des Vorhabens durch den Bezirksbürgermeister Dr. Harald Buttler sowie durch die Bezirksstadträte Winfried Nünthel, Dr. Wolfgang Kieke und Harald Paul mit der Vorbereitung und Durchführung des Vorhabens begonnen werden. Sehr engagiert nahm sich Diplomarchitektin Gabriela Hellert des Projektes an. Hervorzuheben ist in diesen Zusammenhang auch die gute Begleitung und Unterstützung des Umbaus durch den Leiter des Bau- und Wohnungsaufsichtsamts Herrn Beckmann, den Leiter des Hochbauamts Herrn Landmann, durch den Bauleiter Herrn Degenkolb sowie durch die Untere und Obere Denkmalschutzbehörde. Die zur Zeit im Gebäude tätigen ABM-Kräfte haben durch Entkernung und Abbruch sowie weitere Hilfsarbeiten gute Voraussetzungen für den Umbau geschaffen.

    Unser Förderverein, der bei seiner Gründung zu Beginn des Jahres die Unterstützung für den Umzug des Heimatmuseunms zu seinem Hauptanliegen erklärte, hat nicht unerheblichen Anteil daran, daß das Vorhaben bereits soweit fortgeschritten ist.

    über die aktuellen Aufgaben hinaus wollen wir mit dem vorliegenden Heft aber auch einen Ausblick geben auf ein Feld möglicher heimatgeschichtlicher Aktivitäten unseres Vereins. Die hier vorgestellten ersten Untersuchungsergebnisse zur Schulgeschichte sollen Interesse wecken und zu gründlicheren Nachforschungen einladen.

    Für die inzwischen zahlreichen Mitglieder unseres Vereins gibt es also vielfältige Betätigungsmöglichkeiten; wir freuen uns über jede Initiative und jeden Beitrag.


    Neue Räume - neue Möglichkeiten

    Dorothee Ifland, Leiterin des Heimatmuseums

    Als das Heimatmuseum 1992 in seine jetzigen Räume im KulturGut einzog, war allen Beteiligten klar, daß das nur eine Übergangslösung sein konnte. Nach sechs Jahren und vielerlei vergeblichen Anläufen besteht endlich begründete Hoffnung, daß dieses Provisorium im nächsten Jahr mit dem Umzug in die alte Dorfschule beendet sein wird. Dieses historische Objekt ist zweifellos besonders angemessen für die Nutzung als bezirksgeschichtliches Museum. Dafür spricht neben der historischen Bausubstanz allein schon die Präsenz mitten im Dorf. Endlich kommt das Museum aus seinem "Versteck" unterm Dach heraus und ist dann ebenso unübersehbar wie das Dorfmuseum, mit dem es bisher oft zu Verwechslungen kam. In dieser Lage wird es auch leichter sein, die angestrebte Zusammenarbeit mit der Mühle, aber auch der Kirche und anderen Nachbarn zu realisieren.

    Der größte Fortschritt wird darin bestehen, daß die jetzige Raumnot des Heimatmuseums ein Ende haben wird. Erstmals werden wir über einen separaten Bürobereich und über eigene Räume verfügen, in denen Veranstaltungen, Beratungen, Projekte und museumspädagogische Arbeit, aber auch die rein handwerkliche Vorbereitung von Ausstellungen durchgeführt werden können. Dies macht eine eigenständige, flexible Planung möglich, vielerlei Aktivitäten müssen nicht mehr von vornherein aus Raummangel unterbleiben. Im 1. Obergeschoß sollen auch die Bibliothek und ein Teil der Archivbestände untergebracht werden, verbunden mit Arbeitsplätzen für Nutzer. Insgesamt ergeben sich damit für Mitarbeiter und Besucher deutlich verbesserte Arbeitsbedingungen. Neu und erfreulich wird auch sein, daß die Objektsammlung, von der ein Teil bislang in Schloß Biesdorf ausgelagert ist, wieder zusammengeführt und in den Lagerräumen im Keller angemessen untergebracht werden kann.

    Entscheidend für die öffentliche Wirksamkeit eines Museums sind last not least die Ausstellungsräume. In dem neuen Gebäude ist das gesamte Erdgeschoß mit seinen drei Räumen und dem Foyer für Ausstellungen vorgesehen. Damit können endlich größere Ausstellungen mit einer dem Thema angemessenen Gestaltung präsentiert werden.

    Alles in allem werden wir also wesentlich günstigere Voraussetzungen haben, die vielfältigen Aufgaben und Verpflichtungen des Heimatmuseums (Aufbau und Pflege von Sammlung und Archiv, Forschung, Ausstellungen, Veröffentlichungen, museumspädagogische Arbeit, Veranstaltungen, Besucherbetreuung, Beratung von Archivnutzern, Verwaltungsaufgaben) in der gewünschten und erforderlichen Qualität zu erfüllen und damit hoffentlich auch viele neue Besucher anzuziehen.

    Und es wird höchste Zeit, daß das Museum diese verbesserten Arbeits- und Wirkungsmöglichkeiten bekommt. Denn angesichts der bevorstehenden Jahrestage müssen wir uns auf höhere Ansprüche und Erwartungen einstellen. Zur Zeit stehen wir mitten in der Vorbereitung der Projekte zum 20. Gründungsjubiläum des Stadtbezirks. Dieser Jahrestag soll. dazu genutzt werden, das Heimatmuseum an seinem neuen Standort zu profilieren und gleichzeitig den Stadtbezirk bei seiner Außendarstellung zu unterstützen. Der Öffentlichkeit innerhalb und außerhalb des Bezirks soll ein differenziertes Angebot zur Auseinandersetzung mit der jüngsten Geschichte präsentiert werden. Vorgesehen ist ein umfassendes Projekt, in dessen Zentrum eine Ausstellung zur Großsiedlung Marzahn steht, die durch ein umfangreiches Begleitprogramm ergänzt werden soll. Die Ausstellung wird drei thematische Komplexe umfassen, die bereits für die drei Räume im Erdgeschoß des künftigen Museumsgebäude konzipiert werden: 1. Geschichte des Stadtbezirks 2. Städtebau und Architektur. 3. Arbeiten und Wohnen - Gesichter von Marzahn. Gedacht ist auch an die gestalterische Einbeziehung des Foyers, in dem die Besucher multimedial auf die Themen der Ausstellung eingestimmt werden sollen. Es gibt sogar überlegungen, einen Raum im Keller oder im Erdgeschoß als eine Art Hausclub zu gestalten, in dem vielerlei Veranstaltungen und Gespräche stattfinden könnten.

    Wenn es uns gelingt, unsere jetzigen Vorstellungen in die Tat umzusetzen, wäre die Ausstellung sicherlich ein angemessener Auftakt für die Nutzung des neuen Gebäudes durch das Heimatmuseum. Danach wird es weitergehen mit der Vorbereitung der Jubiläen der Dörfer Marzahn und Biesdorf im Jahre 2000. Auch für diese Arbeit ist die Aussicht auf das neue Gebäude Herausforderung und Ansporn.


    Der Umbau vor dem Umzug

    Dr. Günter Peters

    Die Bezirksverordnetenversammlung schlug am 27.7.1997 dem Bezirksamt vor, die Nutzung der ehemaligen Dorfschule in Alt-Marzahn als zukünftigen Standort des Heimatmuseums zu untersuchen. Auch der am 21.1.1998 gegründete "Förderverein für das Heimatmuseums Marzahn e.V. und der Marzahner Wirtschaftskreis e.V. ersuchten das Bezirksamt im Rahmen der Image-Kampagne um schnelle Entscheidungen für die Unterbringung des Heimatmuseums im freiwerdenden Gebäude der ehemaligen Dorfschule. Das Bezirksamt entschied am 17.2.1998 zugunsten des Heimatmuseums und forderte "auf der Basis eines Gesamtprojektes einen Maßnahmeplan zur schrittweisen Herstellung der bauseitigen Erfordernisse und für die Anmeldung des Investitionsplans 1998-2002" Eine Bereitstellung von 350000 DM erfolgte mit Beschluss des Bezirksamtes vom 2.6.1998. Gleichzeitig erfolgte auf Empfehlung des Bezirksamtes die Beantragung von ABM-Kräften für die umweltrelevante Sanierung des Heimatmuseums.

    Die vom Wohnungsamt als Bürogebäude genutzte ehemalige Dorfschule wurde zum 4.6.1998 freigezogen. Die Arbeiten sollen in drei Etappen vorgenommen werden. Dabei sollen der erste Bauabschnitt (Keller und Erdgeschoß) bis April 1999, der zweite (Erstes Obergeschoß) bis Ende 99 und der dritte Bauabschnitt (Dachsanierung und Ausbau des Dachgeschosses als Büroraum) im Jahre 2000 fertiggestellt werden.

    Durch die Arbeitsförderungsgesellschaft im Indstriestandort Berlin-Marzahn (AIBM), die auch Mitglied unseres Fördervereins ist, wurde am....1998 mit der Entkernung nach Vorgaben des Hochbauamtes und der Unteren Denkmalpflege begonnen. Die ABM-Kräfte leisten eine gute Arbeit und können auch weitere Arbeiten durchführen, wie Ausschachtungs- und Isolierungsarbeiten, Reparaturen und Neuanfertigungen von Fenstern und Türen, Wanddurchbrüche u.a.

    Trotz dieser positiven Entwicklung sind noch wichtige Fragen durch das Hochbauamt und die Denkmalspflege auf der einen Seite und dem Bauherren auf der anderen Seite schnellstens zu entscheiden. Für öffentliche Gebäude gibt es baurechtliche Vorschriften. So muß ein zweiter Fluchtweg geschaffen werden, dessen Anlegung nicht so leicht mit denkmalpflegerischen Vorstellungen zu vereinbaren ist. Denn wenn er im Inneren des Gebäudes errichtet wird, müßte die Raumaufteilung verändert werden und es ergibt sich ein großer denkmalpflegerischer Eingriff. Eine Verlegung des Fluchtweges nach außen ändert die Ostansicht des Gebäudes und stellt einen geringeren Eingriff dar. Eine weitere Vorschrift des Baurechtes besagt, daß das Gebäude ein behindertengerechten Zugang haben muß, der ebenfalls anzubringen ist, ohne daß sich die äußeren Gestalt des Gebäudes auffällig verändert. Eine praktische Lösung wäre hier die Anbringung einer Hubbühne oder eines Behindertenlifts. Hinzu kommt das Problem der Erreichung der vorgeschriebenen Deckenlasten für Museumsgebäude.

    Die Bereitschaft aller, begonnen beim Hochbauamt bis zu den Bau- und Ausrüstungsbetrieben ist vorhanden. Der Marzahner Wirtschaftskreis e.V. und der Förderverein für das Heimatmuseum Marzahn e.V. haben ihre volle Unterstützung bei der Realisierung des Vorhaben zugesagt und benannten dafür geeignete Betriebe der Marzahner Bauwirtschaft. Wenn alle Kräfte gebündelt und die Arbeiten nicht durch "Unvorhergesehenes" verzögert werden, kann der Umbau bis zum Frühjahr 1999 soweit fortschtreiten, daß die Ausstellung zum 20. Jahrestag des Stadtbezirkes in den neuen Räumen des ersten Bauabschnitts am 30.4 1999 eröffnet werden kann.

    Teil 2 der Dokumentation