Karl-Heinz Gärtner

Postkarten sind seine Leidenschaft

Zur Person: Geboren 1953, verheiratet, 2 Kinder, Kfz-Mechaniker, wohnt in Biesdorf

Karl-Heinz Gärtner lebt seit 1979 in Biesdorf. Bereits damals begann er sich für die Geschichte seiner neuen Heimat zu interessieren. über die Philatelie kam er zum Sammeln alter Postkarten, besonders solcher mit Motiven aus Biesdorf, Marzahn, Hellersdorf und Hohenschönhausen.

Er beschäftigte sich mit der Geschichte der abgebildeten Gebäude und Menschen und wurde so zu einem der engagiertesten Heimatforscher unserer Region. Zahlreiche Publikationen in der Marzahner Zeitung und anderen Medien sowie seine Broschüre zu den Strassennamen in Biesdorf machten ihn bekannt.

Doch Herr Gärtner beließ es nicht nur beim Sammeln von historischen Informationen, er hält auch Vorträge und gestaltet Ausstellungen zur Geschichte seiner unmittelbaren Heimat.

In seinem Eigentum befinden sich über tausend Postkarten, Fotos und andere historische Dokumente, eine Sammlung alter Flaschen aus einem ehemaligen Biesdorfer Abfüllbetrieb oder zum Beispiel ein alter Obstkorb der ehemaligen Biesdorfer Obstplantage. Nicht nur durch seine geschichtlichen Forschungen ist er bekannt: auch von ihm gestaltete Zeichnungen und Gedichte mit Heimatbezug wurden schon gedruckt.

Vor einigen Jahren baute er ein originalgetreues Modell des Biesdorfer Schlosses. Herr Gärtner ist übrigens kein Vorruheständler oder gutbetuchter Sammler, sondern er ist als Kfz-Mechaniker beschäftigt und betreibt seine Forschungen und Sammlungen ausschließlich in der Freizeit.

Linie 7: Herr Gärtner, wie kommen Sie an die historischen Postkarten und Objekte?
Ich besuche regelmäßig Trödelmärkte, vieles bekomme ich auch von anderen Sammlern und Händlern. Auch von Nachbarn oder Bekannten bekomme ich manchmal Hinweise, so zum Beispiel konnte ich den alten Obstkorb von der Biesdorfer Obstplantage vor einer möglichen Vernichtung retten, der sich in einer alten Gartenlaube befand.

Linie 7: Was mögen Sie am Bezirk am meisten?
Die gute Umgebung. Man sollte nicht nur die sogenannten Plattenbauten in den Vordergrund stellen. Auch die kurzen Wege ins grüne Umland sollte man sehen. Auch Berlin-Biesdorf hat seine Reize!

Linie 7: Was ist Ihr liebster Platz in Marzahn?
Das Schloß und der Park Biesdorf. Besonders deren Geschichte ist interessant, zum Beispiel die Zeit, als das Schloß der Familie Siemens gehörte und diese dabei größter Arbeitgeber in Biesdorf war und natürlich so besonders zur Entwicklung des Dorfes beitrug. Aber auch, daß das Schloß schon als Filmkulisse für eine Fontane-Verfilmung diente ("L'Adultera"- die 1982 gedrehte Filmfassung hieß "Melanie van der Straaten"), ist sicher wenigen bekannt. Dabei wurde übrigens eine Seite des Schlosses extra neu gestrichen.

Linie 7: Was gefällt Ihnen am Bezirk am wenigsten?
Ein Problem sehe ich im mangelnden Miteinander der Generationen, auch im zunehmenden Vandalismus. Es ist auch schade, daß sich immer weniger Menschen mit der Geschichte ihres Heimatbezirkes befassen. Für mich als begeisterten Postkartensammler ist es natürlich auch traurig, daß keine Postkarten mehr mit Motiven des Bezirkes erscheinen. Früher gab es zum Beispiel in vielen Ausflugsgaststätten eigene Postkarten (man liest oft, daß diese in den Lokalen beschrieben wurden). Eine Wiederbelebung dieses Brauches wäre doch eine gute Idee.
Linie 7: Ganz sicher auch eine Werbeidee für manche Einrichtungen!

Linie 7: Was ist Ihr Lieblingsrestaurant in Marzahn?
Ich gehe nicht oft in Restaurants, aber zu selten sind immer noch die gemütliche Gaststätten, die Kneipe an der Ecke oder das traditionelle Gartenrestaurant, wie z.B. die Gaststätte "Neumann" am Bahnhof Biesdorf, übrigens das älteste erhaltene Lokal in Biesdorf.

Linie 7: Wie könnte man das Image Marzahns verbessern?
Die Traditionen im Bezirk sollten mehr im Mittelpunkt stehen und nicht der "Plattenbezirk". Demnächst wird 20 Jahre Marzahn gefeiert, aber sollte man nicht auch daran denken, daß Marzahn im Jahre 2000 schon 700 Jahre alt wird und Biesdorf in diesem Jahr 625-Jahr-Feier hat?

Linie 7: Haben Sie einen PC und nutzen Sie das Internet?
Nein. Ich schreibe meine Artikel und Veröffentlichungen auf einer elektronischen Schreibmaschine.

Linie 7: Was wollen Sie den Marzahnern noch auf den Weg mitgeben?
Daß diese sich mehr mit der Geschichte des Bezirkes befassen sollten. Es sollten da mehr Aktivitäten entwickelt werden.
In anderen Orten gibt es regelmäßige historische Publikationen und Vereinigungen, die sich mit der Geschichte befassen. Außerdem sollten die bezirklichen Verantwortlichen, Investoren und die Wohnungsbaugesellschaften bei ihren Tätigkeiten auch an die Geschichte denken, so zum Beispiel bei Namensgebungen für neue Wohngebiete oder Straßen. Ich stehe da gerne beratend zur Verfügung.
Aber auch einfache Dinge werden z.B. vom Bezirksamt nicht ernst genug genommen. Ich habe bereits vor längerer Zeit angeregt, am Schloß Biesdorf, das unter Denkmalschutz steht, eine entsprechende Hinweistafel anzubringen, dies ist aber bis heute nicht geschehen. Auch müßte man noch mehr Druck auf die zuständigen Behörden ausüben, damit die schon längst überfällige Rekonstruktion des Biesdorfer Schlosses in Angriff genommen wird. Ein persönliches Anliegen hätte ich auch noch: Wer noch alte Postkarten und Bilder von Marzahn, Biesdorf, Hellersdorf, Hohenschönhausen und den umliegenden Gemeinden hat, sollte sich bitte an mich wenden. Gerne beantworte ich auch Ihre Fragen zur Geschichte unserer Region. Anruf genügt: 5430249.

Linie 7: Was ist Ihre Lieblingsspeise?
Kohlrouladen!

Linie 7: Wo verbringen Sie am liebsten Ihren Urlaub?
In Berlin. Seit dem Fall der Mauer gibt es für mich als historisch interessierten Menschen da so viel zu entdecken, was ich zwar von Postkarten und Büchern schon kannte, jetzt aber mit eigenen Augen sehen kann.

Linie 7: Herr Gärtner, wir bedanken uns recht herzlich für das Gespräch und wünschen Ihnen viel Erfolg für Ihre Sammlungen und Forschungen, und daß wir auch in Zukunft viel von Ihnen lesen und hören werden!