Petra Wermke

Vorsteherin der Bezirksverordnetenversammlung von Marzahn-Hellersdorf

von 1999 bis 2011

Zur Person: verheiratet, 2 Kinder, Dipl.-Ing. für chemische Technologie, wohnt in Biesdorf, PDS-Mitglied


Petra Wermke ist seit 1996 in der Bezirksverordnetenversammlung Marzahn (jetzt Marzahn-Hellersdorf) aktiv. Als Mitglied der PDS ist ihr Credo "Nicht meckern - klotzen".
Engagement und Organisationstalent werden ihr von allen Seiten bescheinigt. Das bringt ihr aber auch immer wieder Mitgliedschaften, Funktionen und Ämter ein. BVV, Heimatverein, Städtepartnerschaftsverein, PDS - wir möchten hier eine Frau vorstellen, die sich immer viel vornimmt und sich dabei nicht verzettelt.



Linie 7: Frau Wermke, sie leben und arbeiten in Marzahn-Hellersdorf. Wann und wie kamen sie nach Marzahn?

1987 nach dem Studium in Moskau suchten mein Mann und ich eine gemeinsame Wohnung. Die bekamen wir in Marzahn aus dem Kontingent des Werkes für Fernsehelektronik, in dem mein Mann damals arbeitete. Meine Arbeitsstelle war im Reifenwerk in Grünau - das hieß morgens 80 Minuten zur Arbeit und abends 80 zurück. Aber unsere 3-Raum-Wohnung im 10. Stock mit Blick auf ganz Berlin gefiel uns sehr gut. Wir wohnten dort gern 12 Jahre lang.

Linie 7: Sie haben Marzahn mitgeprägt. Warum haben Sie sich derart engagiert und haben sie ihre Ziele erreicht?

Ich begann 1995 mich zu engagieren. Nach langer Arbeitslosigkeit und nachdem die Kinder aus den Windeln entwachsen waren, hatte ich Zeit und Lust dazu.

Mein Motto ist "Nicht meckern - klotzen". Das hat mich in Pflichten und mehrere Gremien gebracht. Meine Ziele erreicht - das kann man wohl so nicht sagen. Wann hat man ein Ziel erreicht? Ich habe einige kleine Teilerfolge, sichtbare, die mit mir verbunden werden, Resultate, von denen keiner weiß, dass ich dahinterstecke. Es gibt auch eine Reihe Misserfolge, aber ich bleibe optimistisch.

Ich glaube, ich konnte viele Mitbürgerinnen motivieren, sich einzumischen, aktiv für unseren Bezirk zu werden. Manche habe ich angestoßen, manche aufgefordert, manche haben nur auf eine Bitte gewartet. Dass der Städtepartnerschaftsverein noch existiert, hängt wohl auch mit mir zusammen. Dass es auf dem Barnimplatz Feste von Vereinen und einen Markt gibt, war einst eine im Berliner Abendblatt veröffentlichte Idee von mir. Dass die JugendBVV in die Gänge gekommen ist, hat mit meiner Beharrlichkeit zu tun. Na vieles ist schon so lange her und fast nicht mehr wahr... Aber es macht mir noch Spaß und ich werde mich weiter engagieren, weiter mit anderen Bürgerinnen und Bürgern kooperieren, und solange ich Unterstützung kriege, ist das auch kein Problem.

Linie 7: Wie können wir uns ihre Arbeit vorstellen? Sie sind doch sicher vorrangig damit beschäftigt, auf Partys und Empfängen zu repräsentieren, oder? ;-)

Viele wissen gar nicht, dass die Arbeit der BVV und auch der Vorsteherin ehrenamtlich ist. 1996, als ich gerade in die BVV gewählt wurde und das Parlament mich als stellvertretende Vorsteherin nominiert hatte, fand ich im PC des Arbeitsamtes einen tollen Job. Dort arbeite ich auch heute noch.

Das Unternehmen ist in der Nähe des Bahnhofes Zoo, dort zertifiziere ich Waren für den Export in die Russische Föderation. Ganz normal 8 1/2 Stunden pro Tag. Also gehe ich um 7.10 Uhr morgens mit den Kindern aus dem Haus, fahre 1 Stunde zum Zoo und arbeite bis mich ein Termin im Bezirk ruft. Das können Ausschüsse sein (ich bin Mitglied im Umweltausschuss und im Sportausschuss), das kann der Ältestenrat, meine Fraktion, der Vorstand der Bezirksparlamentes, persönliche Termine mit Bürgerinnen, Einladungen von Vereinen auch mal Empfänge- besonders zum Jahresanfang und Jahresende, Zusammenkünfte des Vorstandes des Städtepartnerschaftsvereines, Mitgliederversammlungen des Vereines selbst, Sitzungen des Rates der Vorsteher aller Berliner Bezirksverordnetenversammlungen, dessen stellv. Vorsitzende ich übrigens bin.

Alles in allem kommen pro Monat so 15- 20 Termine zusammen und ich freue mich, wenn ich ab und an nach der Arbeit direkt nach Hause fahren kann. Partys besuche ich relativ selten, aber ich versuche schon, die offiziellen Einladungen, die ich erhalte anzunehmen. Allerdings geht das nur ab 16 Uhr. Für frühere Termine muss ich Urlaub nehmen und davon habe ich auch nur begrenzt. Naja und vorbereiten muss man sich auch auf alle diese Termine...

Linie 7: Wie würden Sie in wenigen Sätzen Marzahn-Hellersdorf jemandem von außerhalb beschreiben?

Ein junger Bezirk mit vielen Gesichtern, viel Grün, hervorragenden Wohngebieten, vielen interessanten Leuten, einer Unzahl interessanter Ecken, wo viel los ist.

Ein Bezirk, der viel besser ist als sein Ruf. Marzahn-Hellersdorf ist viel interessanter als manche meinen. Es ist eine Stadt in der Stadt, die noch im Werden begriffen ist. Viele der düsteren Vorhersagen sind nicht eingetroffen. Unser Bezirk lebt, was sich dem Skeptiker, der einmal mit dem Auto quer durchführt, leider nicht erschließt.

Linie 7: Was ist Ihr liebster Platz im Bezirk?

Zur Zeit habe ich ein Defizit beim "Zu Hause" sein, deshalb bin ich sehr gern zu Hause in Biesdorf. Ansonsten liebe ich den Erholungspark, für den ich eine Jahreskarte gekauft habe. Er liegt am Kienberg und die Gärten dort sind immer wieder interessant.

Linie 7: Was gefällt ihnen besonders im Bezirk?

Mir gefällt, dass wir hier sehr viele Leute haben, die täglich engagiert und ehrenamtlich in den verschiedensten Bereichen arbeiten, vieles davon erfolgt im Stillen, ohne viel Aufhebens.
Ich fand, diese Bürger müssten besonders beachtet werden und der Bezirk hat am 5.12. 2003 einen Teil dieser Leute geehrt. Daran hat Petra Wermke einen Anteil.

Mir gefällt, dass unsere Bürgerinnen und Bürger sich an der Politik beteiligen, dass sie sich einmischen, dass sie uns Politikerinnen Fragen stellen. Während in anderen Bezirken die Bürgerfragestunden abgeschafft wurden, teils aus Mangel an Interesse, teils wegen der nervenden Fragen, ist unsere immer ausgelastet und unsere Stadträte und der Bürgermeister bereit, auch auf nervende Fragen zu antworten. Dafür möchte ich mich herzlich bei allen bedanken. Mir gefällt, dass man viele Wege mit dem Fahrrad zurücklegen kann. Unsere Familie hat kein Auto und es funktioniert ganz gut, die meisten Einrichtungen, ob Kultur, Sport oder Amt sind ohne Mühe mit S- und U-Bahn zu erreichen.

Linie 7: Was nervt sie besonders im Bezirk?

Dass wir unseren Bezirk mit unüberlegten Behauptungen selbst schlecht machen, dass wir behaupten, es wäre nichts los, dass wir unsere Leistungen nicht honorieren. Hier passiert so viel, es gibt so viele engagierte Leute, die Großes und Kleines leisten, aber publik werden nur die Horrormeldungen.
Mich nervt, dass im Bezirk selbst Erfolge schlecht gemacht werden. Mir gefällt, dass der schöne Wuhlewanderweg mit Fördergeldern der EU geschaffen wird. Zu hören und zu lesen ist jedoch, dieses Geld wäre woanders wichtiger gewesen. Anstelle sich zu freuen, dass Gelder eingeworben wurden, Geld, das wir für etwas anderes nicht bekommen hätten.

Linie 7: Wie könnte man nach Ihrer Meinung als Bewohner unseres Bezirkes zur Verbesserung des Images der Region beitragen?

Die Antwort steckt schon in der vorigen Frage. Wir sollten uns selbst und das Erreichte mehr achten, die Leistungen anderer akzeptieren, respektieren und würdigen. Ich wünsche mir dass die Versuche der Politiker, eine Einrichtung zu retten, als Mühe akzeptiert wird, statt über die Gefahr der Schließung zu lamentieren.

Ich nutze jede Chance, Fremde in unseren Bezirk einzuladen, ihnen den Bezirk mit allen guten, schönen und weniger schönen Seiten zu zeigen, mit den Einfamilienhäusern, den modernisierten Hochhäusern, dem Grün, den kulturhistorischen Bauten, den Jugendklubs, den unzähligen Sportstätten zeigen. Das wünsche ich mir auch von den anderen Bürgern.

Linie 7: Welches Restaurant können Sie uns empfehlen?

Ich gehe gern in das kleine griechische Restaurant am Havemanncenter. (Taverna Iason, inzwischen geschlossen, Anm. der Redaktion)

Linie 7: Was wünschen Sie sich für die Zukunft?

Ich wünsche mir viel Kraft, weiterhin viel Unterstützung für die Vorhaben des Bezirkes durch die Bürgerinnen und Bürger, durch das Amt. Ich wünsche Ihnen und mir Gesundheit. Den Menschen auf der Welt wünsche ich Frieden und keinen Hunger!

Linie 7:Frau Wermke, wir danken Ihnen für das Interview und wünschen Ihnen weiterhin viel Erfolg bei Ihrer Arbeit.