Historische Stadtplanungen Teil 5

Städtebaulich-historische Dokumentation von Dr. Günter Peters

Teil 5

 


Neuer Stadtbezirk Berlin-Marzahn

 

Die endgültige Bezeichnung "Stadtbezirk Berlin-Marzahn" ging dann einher mit seiner Bildung am 5. Januar 1979. Der Bezirk entstand aus Teilen der Stadtbezirke Lichtenberg und Weißensee und hatte 1980 eine Größe von 5.700 Hektar mit 81.789 Einwohnern. Am 31. Mai 1986 wurden die Ortsteile Hellersdorf/Kaulsdorf und Mahlsdorf im Zusammenhang mit der Bildung des Stadtbezirkes Berlin-Hellersdorf ausgegliedert. Die Marzahner Gebietsfläche betrug so 1990 noch 3.150 Hektar mit insgesamt 167.371 Einwohnern.

In den Jahren 1976 bis 1990 entstanden im Neubaugebiet Marzahn:

BezeichnungAufgabenstellung
vom 25.02.1975
Realisierung
Dezember 1990
Wohnungseinheiten36400 WE62166 WE
davon Feierabendh.1400 WE2520 WE
davon Jugendhilfeh.(270) WE(540) WE
Neubauwohnungen35000 WE59646 WE
Wohngebiet 1-335000 WE38332 WE
davon WG 18300 WE8665 WE
davon WG 28100 WE8269 WE
davon WG 318600 WE21398 WE
weitere Wohngebiete- WE21314 WE
davon WG Cecilienstr.- WE2581 WE
davon WG Ost- WE4587 WE
davon WG Nord- WE11377 WE
davon WG West- WE2769 WE

 

Ausgewählte Einrichtungen:

BezeichnungAufgabenstellung
vom 25.02.1975
Realisierung
Dezember 1990
Kinderkrippen3055
Kindergärten3055
Schulen3053
Geb.f.Schülerspeisung-12
Turnhallen2346
Schwimmhallen22
Feierabend-u.Pflegeheime59
Jugendhilfeheime12
Kaufhallen1218
Wohngebietsgaststätten815
Jugendklubs69
Dienstleistungseinr.68
Polikliniken/Ambulatorien25

Der Generalbebauungsplan 1980

 

Der Generalplan 1980 bestand aus dem Generalbebauungsplan, dem Generalverkehrsplan und dem Komplexplan der stadttechnischen Versorgung und sollte die Entwicklung der östlichen Stadthälfte bis 1990 bestimmen. Im "Berliner Programm" vom 3. Februar 1976 waren mit dem Bau von 200.000 bis 230.000 Neubauwohnungen von 1976 bis 1990 sowie der Modernisierung von 100.000 Wohnungen bereits entscheidende Grundlagen für die Stadtentwicklung festgelegt worden.

Am 29. Januar 1980 erfolgte mit dem Beschluss über den Generalbebauungsplan bis 1990 eine Korrektur der bisherigen Grundrichtung der Stadtentwicklung. Mit der Veränderung der Standorte des Wohnungsneubaues aus dem Nordraum in den Ostraum sollte die dort vorhandene Infrastruktur besser genutzt werden. Dadurch konnten aufwendige Baumaßnahmen vermieden werden, wie der U-Bahnbau nach Norden, die S-Bahn nach Karow, die vierte Tangente und nicht zuletzt das Heizkraftwerk Nord auf Braunkohlebasis.

Die Wohngebiete 1-6 in Hohenschönhausen wurden weitergeführt. Anstelle der ursprünglich geplanten Standorte in Blankenburg, Blankenfelde, Buch, Buchholz, Heinersdorf, Malchow und Karow im Berliner Norden entstanden im Osten neue Wohnkomplexe in Marzahn mit 25.000 Wohnungen, im heutigen Bezirk Hellersdorf kamen Wohngebiete mit über 40.000 Wohnungen neu hinzu. Dadurch wurde der Aufwand für die Primärerschließung von 10,8 auf 3,1 Milliarden Mark der DDR reduziert.

Durch dieses Umschwenken vom Nord- in den Ostraum konnte das Ziel des Wohnungsbauprogramms, bis 1990 insgesamt 230.000 Wohnungen in Berlin neu zu bauen, mit 228.0l9 Wohnungen erfüllt werden. Von 1971 bis 1990 wurden in den drei nordöstlichen Bezirken 135.410 Wohnungen neu errichtet. Die Bevölkerung wuchs im gleichem Zeitraum um 346.163 Einwohner:

Bezirk Berlin-Marzahn

ZeitraumEinwohner (EW)Wohnungsbestand (WE)
1970157525721
19808178925166
199016737164639
Zuwachs 1971-199015161958918

 

Bezirk Berlin-Hohenschönhausen

ZeitraumEinwohner (EW)Wohnungsbestand (WE)
1970212248872
19803618718052
199011835547639
Zuwachs 1971-19909713138767

 

Bezirk Berlin-Hellersdorf

ZeitraumEinwohner (EW)Wohnungsbestand (WE)
19702498710970
19802654811096
199012240048695
Zuwachs 1971-19909741337725

 

Im Zeitraum von 1971 bis 1990 wuchs im Nordostraum die Bevölkerung von 61.963 auf 408.126 Einwohner und der Wohnungsbestand erhöhte sich von 25.563 auf 160.973 Wohnungen.

Flächennutzungsplan Berlin 1994

Nach der Wiedervereinigung am 3. Oktober 1990 begann auch ein neues Kapitel in der Baugeschichte Berlins. Neue politische, wirtschaftliche und technische Ansprüche werden gestellt und es ergeben sich neue Möglichkeiten für die Stadtplanung.

Dies betrifft auch die Ausarbeitung eines neuen Flächennutzungsplanes für Berlin sowie die Aufstellung der Bezirksentwicklungspläne. Mit dem Flächennutzungsplan 1994 erhielt Berlin ein verbindliches Planungkonzept, das das Bild der Stadt entscheidend verändern wird. Entstehen werden dabei neben neuen Stadtzentren vor allem Geschäfts- und Bürokomplexe sowie neue Wohngebiete.

Mit dem FNP werden die Perspektiven der Bundeshauptstadt für die nächsten zwanzig ]ahre vorgezeichnet. Er enthält einen Wachstumsspielraum für bis zu 300.000 zusätzliche Einwohner und mindestens ebensoviele neue Arbeitsplätze in der Stadt. Bei dieser Wachstumsannahme ergibt sich ein Bedarf von bis zu 40.000 zusätzlichen Wohneinheiten.

Neben den Konzepten für die innere Stadt zählen auch die Planungen im Nordosten der Stadt zu den wichtigsten städtebaulichen Zielen Berlins. Hier sollen außer neuen und zukunftsweisenden Wohngebieten vor allem Arbeitsstätten, Grünflächen und Freizeiteinrichtungen angelegt werden.

Eine Stadterweiterung ist insbesondere durch den Bau eigenständiger Teilstädte in Buch, Buchholz und im Raum Blankenburg/Malchow/Karow geplant. Die drei östlichen Großwohnsiedlungen sollen durch Sicherung der Gebäudesubstanz sowie Nachbesserungen des Wohnumfeldes und der wohnungsbezogenen Infrastrukur aufgewertet und besser in die Stadt integriert werden.

Auch hier sind Standorte für den Wohnungsneubau vorgesehen, wie im Entwicklungsgebiet Biesdorf-Süd, im Wohnpark "Weiße Taube" in Hohenschönhausen und am "Landsberger Tor" in Marzahn. Das Leitbild für den zukünftigen Wohnungsbau in Berlin ist das der dichten, gemischt genutzten Vorstadt. Beispielsweise sollen in den nächsten fünfzehn ]ahren im Entwicklungsgebiet Biesdorf-Süd auf einer 142 Hektar großen Fläche etwa 4.500 Wohnungen und ausgedehnte Gewerbe- und Dienstleistungsflächen entstehen.

Schwerpunkte der Bautätigkeit sind die Bezirks- und Einkaufszentren in den Großsiedlungen, darunter das bereits fertiggestellte "Linden-Center" am Prerower Platz in Hohenschönhausen, die "Helle Mitte" als neues Hellersdorfer Zentrum und die in Planung befindliche Neugestaltung der Marzahner Promenade.

Neue Arbeitsstättengebiete entstehen in Hohenschönhausen und Hellersdorf. Das größte Berliner Gewerbestättengebiet in Marzahn wird weiterentwickelt. Durch den weiteren Ausbau der S- und U-Bahn sollen künftig bessere Nahverkehrsverbindungen in den Nordosten geschaffen werden. Auch eine Ausdehnung des Hauptstraßennetzes in Nord-Süd-Richtung ist geplant, insbesondere die Weiterführung der A 158 entlang der Märkische Allee.

Der über 12 km lange Nord-Süd-Grünzug entlang der Wuhle von Köpenick bis Ahrensfelde hat eine neue Chance erhalten. Ein weiteres Naherholungsgebiet entsteht im Norden Berlins. Der Landschaftspark Barnim erstreckt sich auf einer Fläche von 310 Quadratkilometer und reicht weit über die Grenzen der Stadt hinaus.

 

Ende der Dokumentation

Bauplatz Berlin-Marzahn in Zahlen (Anhang)
Quellenverzeichnis für diese Dokumentation

Die Dokumentation ist auch als gedruckte Broschüre im Bezirksmuseum Marzahn erhältlich. Sie finden darin weiteres Karten- und Bildmaterial.